„Berliner Berufsrouten“ aus weit über 250 Projekten ausgewählt

„Berliner Berufsrouten“ aus weit über 250 Projekten ausgewählt


Nun steht es fest: Berlin bekommt bald ein neues, innovatives Angebot zur Berufsorientierung für Jugendliche. Gestern wählte die Vollversammlung der IHK Berlin die „Berliner Berufsrouten“ zur Förderung aus. Nach der erfolgreichen Umsetzung in Leipzig 2013/14 werden die Berufsrouten ab April 2015 nun auch in Berlin umgesetzt – von mediale pfade.de und unserem Kooperationspartner, dem BildungsWerk in Kreuzberg. Schulen und andere Jugendeinrichtungen können sich bereits jetzt für die Teilnahme melden.

Die Berufsrouten sind ein innovatives neues Format der Berufsorientierung für Jugendliche, das nun auch in Berlin umgesetzt wird. Die Hauptzielgruppe sind Jugendliche in der Berufsorientierungsphase (ca. 8.-10. Klasse) sowie Unternehmen, die Ausbildungsplätze anbieten. 2009 in einer ersten Version in Fürth implementiert, wurde das Konzept 2013/14 auch in Leipzig eingeführt. In beiden Städten laufen die Berufsrouten nach Abschluss der jeweiligen Projekte zur Implementierung sehr gut weiter: Während sie in Fürth von unserem Kooperationspartner Jugendmedienzentrum Connect durchgeführt wurden, ist es in Leipzig unserer dortiger Kooperationspartner Arbeit und Leben Sachsen, der dafür sorgt, dass immer neue Leipziger Schulklassen von der Berufsorientierung durch die Berufsrouten profitieren. Dank der IHK Berlin kommen die Berufsrouten nun auch nach Berlin.

Die Ausbildungsmarktsituation, oder: Warum die Berufsrouten eine gute Idee sind

Eine Verbesserung der Berufsorientierung in Deutschland ist dringend, denn auf dem Ausbildungsmarkt stellt sich derzeit eine ganze Reihe von Herausforderungen.

Das Interesse an dualen Ausbildungsberufen hat insgesamt stetig abgenommen – immer mehr junge Menschen streben eine akademische Ausbildung an (siehe den sogenannten ‚Akademisierungstrend‘). Bei vielen Unternehmen entsteht dadurch ein Nachwuchsmangel für eine Vielzahl von Positionen.

Obwohl es ein großes Angebot an unterschiedlichen Ausbildungsberufen gibt, fokussiert der Großteil der Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf einen sehr kleinen Ausschnitt dieser Berufe. Dadurch entstehen Passungsprobleme – einer nicht unbedeutenden Zahl Jugendlicher ohne Ausbildungsplatz steht eine wachsende Zahl unbesetzter Lehrstellen gegenüber (siehe z.B. Berliner Bildung in Zahlen 2014).

Zudem bleibt eine beträchtliche Zahl an Ausbildungsstellen unbesetzt, weil die entsprechenden BewerberInnen als nicht geeignet eingeschätzt wurden. Immer wieder klagen UnternehmerInnen darüber, dass jugendliche BewerberInnen zu uninformiert in Bewerbungsgespräche und Auswahltests gehen und es nicht schaffen, die AusbilderInnen von Ihrer Eignung zu überzeugen (siehe z.B. Aus- und Weiterbildungsumfrage der IHK Berlin).

Die Berufsrouten möchten diesen Herausforderungen begegnen, indem sie Jugendliche auf jugendgerechte Weise über das breite Spektrum an möglichen Ausbildungsberufen informieren und ihnen verschiedene Hilfestellungen auf ihrem Weg zu einem Ausbildungsplatz geben. Auch die bei Jugendlichen oftmals wenig beliebten MINT-Berufe sollen integraler Bestandteil der Berliner Berufsrouten werden – realistisch präsentiert erhalten sie so die Möglichkeit, Jugendliche für sich zu interessieren.

So funktionieren die Berufsrouten

Die Berufsrouten zeichnen sich dadurch aus, dass die Berufsorientierung für Jugendliche praxisorientiert und lebensnah stattfindet – unter Einsatz digitaler Medien und mit einem spielerischen Konzept. Mit Tablets oder auch Smartphones sind die Jugendlichen in Kleingruppen mobil im Stadtraum unterwegs; geleitet durch GPS bewegen sie sich entlang sogenannter Berufsrouten, die sie vor eine Auswahl unterschiedlicher Unternehmen führen. Dort angekommen, löst die Berufsrouten Web-App auf dem mobilen Gerät aus und es erscheinen Informationen zu dem Ausbildungsberuf, der in dem jeweiligen Unternehmen angeboten wird. Die Jugendlichen erarbeiten sich die Informationen im Text-, Foto-, Audio- und Video-Format selbständig und beantworten Fragen dazu, bevor sie sich auf den Weg zur nächsten Station machen.

Das ganz Besondere dabei ist, dass die auf den Berufsrouten vertretenen Ausbildungsberufe aus der Perspektive Jugendlicher präsentiert werden – von Jugendlichen für Jugendliche. Denn in der ersten Projektphase werden alle Berufsinformationen in sogenannten Medienwerkstätten von Jugendlichen selbst erstellt – vor Ort in den Betrieben, und unter der Anleitung erfahrener MedienpädagogInnen.

Ergänzt wird die Absolvierung der mobilen Berufsrouten mit einer Reihe sogenannter Matching-Veranstaltungen, bei denen Jugendliche mit UnternehmerInnen zusammengebracht werden, um Informationsaustausch und persönliche Kontakte zu intensivieren und so die Vermittlung von BewerberInnen auf passende Ausbildungsplätze zu unterstützen.

Auswahl durch die IHK Vollversammlung

Dieses Konzept hat nun auch die IHK Berlin überzeugt. Die Kammer hatte Ende 2014 Bildungsträger aufgerufen, sich mit Bildungsprojekten zu bewerben, die den Berliner klein- und mittelständischen Unternehmen dabei helfen, den benötigten Nachwuchsbedarf an Fachkräften zu decken. Gefragt waren „beispielhafte Konzepte einer praxisnahen Berufsorientierung, Projekte zur besseren Vernetzung von MINT-Studierenden mit kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie der Wissenstransfer aus Hörsälen und Laboren in die betriebliche Praxis der Berliner Unternehmen“.

Am 17.3.2015 fiel nun die endgültige Entscheidung in der IHK-Vollversammlung: „Aus den weit über 250 Projektskizzen, die nach dem ersten Förderaufruf eingereicht wurden, haben die IHK Gremien jetzt acht qualitativ herausragende und erfolgsversprechende Konzepte ausgewählt“ – die Berufsrouten sind darunter. „Alle acht geförderten Projekte […] zeigen als Leuchtturmprojekte nachhaltige Lösungen auf“, so der Präsident der IHK Berlin, Dr. Eric Schweitzer (IHK Pressemitteilung 17.3.2015).

Die erste Phase der Berufsrouten startet im April

Schon im April 2015 beginnt das Berufsrouten-Projekt in Berlin. Nun müssen Schulen und Unternehmen angesprochen, die Web-App programmiert und die ersten Medienwerkstätten organisiert werden. Die Berufe, die künftig auf den Berliner Berufsrouten vertreten sein werden, werden in Zusammenarbeit mit den ExpertInnen von der IHK Berlin ausgewählt. Wir von mediale pfade.de und unsere Kollegen vom BildungsWerk in Kreuzberg (BWK) freuen uns schon sehr darauf, loszulegen!


Wenn Sie mit Ihrer Schule oder einer anderen Jugendeinrichtung an den Berufsrouten teilnehmen möchten, können Sie sich schon jetzt an unseren Kollegen Herrn Khalid Sharif vom BildungsWerk in Kreuzberg wenden (Kontakt: sharif@bwk-berlin.de) und Ihr Interesse bekunden.

Über den Author

Dr. Anja Gebel Anja Gebel ist seit 2013 für “mediale pfade” im Bereich der (netz)politischen Bildung und Berufsbildung tätig. Sie hat Erfahrung in der Vereinsorganisation und im Projektmanagement und begeistert sich besonders für politische Bildungsarbeit und internationale Zusammenarbeit. Als ausgebildete Politikwissenschaftlerin schloss sie 2013 ihr PhD-Studium in Internationalen Beziehungen an der Aberystwyth University in Wales ab, wo sie auch jahrelang als Forschungs- und Lehrassistentin arbeitete.

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