Jugendarbeit im Netz – Facebook-Page als Präsentationstool

Jugendarbeit im Netz – Facebook-Page als Präsentationstool

Zum Webcamp11, einer Weiterbildungsreihe des ifp WienXtra rund um Jugendarbeit im Netz, habe ich mich entschieden, den Vortrag nicht klassisch auf Powerpoint oder prezi.com vorzubereiten, sondern als Facebook-Page.

Die Grundüberlegungen waren:

  • Wie kann das, was das Netz ausmacht, in Form eines Workshops erfahrbar gemacht werden.
  • Interaktive Medien müssen selbst genutzt werden, sie können von aussen nicht oder nur teilweise verstanden werden.
  • Als „geladener Experte“ vermittle ich im (nicht ganz) schlechtesten Falle das Bild, umfassend zum Thema informiert zu haben – im besten Falle setze ich einen Startpunkt, selbst auf Entdeckungsreise im Web zu gehen, Chancen zu erkennen und selbst aktiv zu werden.

Ich beschreibe erstmal die Methode an sich, im folgenden gehe ich dann auf die Herausforderungen, Chancen und Schwächen der Methode ein.

Die Idee für die Vortragsweise entstand erst sehr spät im Vorbereitungsprozess. Ich hatte länger (ein paar Monate) keinen Vortrag mehr in der Richtung gehalten, weswegen zu dem Thema eh anstand, etwas Neues zu machen. Die Themensammlung fand erstmal offline (da im Zug) in einem Textfile statt, die -auswahl war noch recht inspiriert durch das Werkstattgespräch „peer2peer-Arbeit in der Medienpädagogik“ des JFF und dem GMK-Forum 2011.

Zum GMK-Forum machten Dr. Ulrike Wagner und Niels Brüggen ein Experiment. Sie gaben zwei Beispiele vor und ein Verfahren, diese per Twitter zu bewerten. Mittels Hashtag wurden so Bewertungen und Begründungen gesammelt und diese in den Vortrag mit eingebaut.? Meine Überlegung war, wie so ein interaktiver Vortrag durchgängig zum Konzept gemacht werden kann. Twitter hielt ich für sehr unverbreitet unter den Teilnehmern (Jugendarbeiter mit motivierten, aber teils ersten Schritten im Web, so nahm ich an), so blieb also die Hoffnung, dass Facebook weit verbreitet war. Da die Wahl eines Tools/Social Networks/etc. immer auch einen Ausschluss beinhaltet, überlegte ich mir als Alternative und „Fallback“ noch ein Etherpad, das kollaborativ weiterbearbeitet werden könnte.
Auf Facebook legte ich also eine Page an, dann chronologisch in richtiger Reihenfolge die Überpunkte, die Unterpunkte dann jeweils als Kommentare. Schön war es, direkt auch Videos einbinden zu können und zur Gestaltung wählte ich ein paar Bilder, um die Überschriften zu illustrieren und abzuheben. Für die Aufgaben wählte ich ein konstantes Bild, um diese hervorzuheben. Das führte dazu, dass der Vortrag dann von unten nach oben gehalten werden musste, war aber so gewollt, da „nach oben hin“ der Vortrag ja noch erweitert werden sollte durch die Teilnehmer und mich.

Die Chancen und Herausforderungen:

Für den Referenten:

  • der Vortrag muss komplett durchgestylt stehen, Änderungen nur schwer möglich
  • der Vortrag muss letztlich jedesmal neu gemacht werden und bedeutet recht viel Arbeit im Vorfeld
  • das Risisiko für den Vortragenden ist hoch, die Teilnehmer bekommen viel Macht, den Vortrag zum scheitern zu bringen oder in eine ungewollte Richtung zu bringen
  • der Referent muss sehr im Thema sein, um die vielen Querverbindungen und Anregungen aufnehmen und bewerten zu können
  • es ist eine Herausforderung, gleichzeitig Inputs zu geben, den Diskussionen zu folgen, diese zu bewerten und dem (selbst gesetzten) Anspruch der Interaktivität und der teilnehmerorientierten Lenkung des Vortrags gerecht zu werden
  • eine Gefahr ist, das Themen, die nicht bekannt, aber dennoch aus Sicht des Referenten wichtig sind, von den Teilnehmern „rausgewählt“ werden (siehe Bild Diaspora – ich musste dann begründen, warum ich es doch gerne mit reinnehmen wollte)
  • Ansprüche an Ästhetik, klarer visueller Aussage etc. müssen leider deutlich herunter geschraubt werden, da bietet Facebook einfach wenig Möglichkeiten, klar zu präsentieren

Für die Teilnehmer:

  • die Vortragsart ist gänzlich neu, während der Referent spricht, kann online kommuniziert werden, sollen Bewertungen abgegeben werden
  • im besten Falle entwickelt sich eine parallele Kommunikation, der aber auch gefolgt werden muss
  • ein großer Gewinn ist sicher eine weiterentwickelte und bewertete Linksammlung zur Nacharbeit
  • uninteressante Themen können aus dem Vortrag geworfen werden

Pros und Contras werde ich erweitern, sobald es mehr Erfahrungen dazu gibt.

Meine Eindrücke und die Auswertung mit den Teilnehmern:

Die Methode war fordernd bis überfordernd – die vielen gleichzeitigen Kommunikationswege, die Gruppe baute sich noch eine weitere über Facebook-Chat auf, damit auch die verschiedenen Kommunikationsräume mit unterschiedlichen Teilnehmern etc.? Die Methode zielte vor allem auf das Erleben ab. Das ich nicht im Detail und ausführlich berichten kann und vor allem nicht will, wie sich das Web anfühlt und welche Chancen sich in der Nutzung ergeben, war klar. Deswegen sollte dieser kurze Zeitraum von 3 Stunden möglichst viel von dieser Power aufzeigen – was funktionierte, mit allen Vor- und Nachteilen. Permanent strömen Informationen auf einen ein, ich muss Entscheidungen treffen, welcher Information ich welchen Wert beisteuere, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenke. Und gleichzeitig erfahre ich, wenn ich Informationen teile, öffentlich diskutiere, wie schnell ich mich mit anderen vernezten kann, zu neuen Erkentnissen komme, auch über die gemeinsame physische Präsenz Themen weiterverfolgen kann usw. – einen Teil dessen konnte die Vortragserfahrung wohl vermitteln.

Ein Kommunikationsbeispiel zur ersten Aufgabe:

„Organisieren Sie sich in Ihrer Gruppe, um ein Verfahren zu finden, wie Sie besonders spannende Themen im Vortrag in den Vordergrund bringen und für Sie irrelevante oder schon bekannte Sachverhalte aus dem Workshop bringen.

Mein Fazit: Der Vortrag war ein guter Anfang, Teilnehmer und ich waren weitestgehend zufrieden. Doch kann noch deutlich weiter entwickelt werden, eine unbedingte Erkenntnis: Es braucht zusätzliche eineN ModeratorIn, all die Informationen im Blick zu haben, ist kaum möglich. Weitere Erfahrungen werde ich hier kund tun..

Die Page ist unter https://www.facebook.com/jugendarbeitimnetz zu erreichen.

Über den Author

Daniel Seitz Daniel Seitz lebt in Berlin, hat mediale pfade gegründet und brennt für eine freie, politisierte Gesellschaft, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Medienpädagoge ist er überzeugt, dass Medienbildung einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil zu politischer Teilhabe, Selbstentfaltung und Kreativität leisten kann.

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